Solidarische Landwirtschaft – Ernährung mit gutem Gewissen?

Kiel/Schinkel. Milchpreise, von denen Landwirte nicht mehr leben können, Pflanzenschutzmittel – aktuell Glyphosat – die in Lebensmitteln nachweisbar sind und im Verdacht stehen krebserregend zu sein, Lebensmittel, die eine weite Reise hinter sich haben, bevor sie auf den eigenen Tisch kommen. Kann man durch das eigene Konsumverhalten unterstützen. Muss man aber nicht.

Seit einem knappen dreiviertel Jahr gehen die Solidarischen Höfe Schinkel und die Solawisten, wie sich die in einer Gemeinschaft zusammengeschlossenen Teilnehmer dieser mittelbaren Selbstversorgunginitiative nennen, einen anderen Weg.

Wir alle müssen uns ein kleines bisschen ändern, damit die Welt wieder besser wird.

Nele Markwardt

Studentin

„Wir bestimmen, in was für einer Welt wir leben“, ist sich Dieter Pansegrau vom Wurzelhof, einem der vier Schinkeler Betriebe, die zu den solidarischen Höfen Schinkel gehören, sicher. Nach dieser Maxime handelte er schon früh. Vor dreißig Jahren kaufte er gemeinsam mit Freunden und Unterstützern vier Hektar Land in Schinkel. Bebaut es seitdem nach Kriterien, die strenger sind als die der Bioland-Zertifizierung. Wurzelhof heißt der Betrieb, der Name ist Programm: „Wir bauen zum Beispiel unter ungeheizten Planengewächshäusern ganzjährig Gemüse an.“

Die anderen Betriebe der Initiative: eine Öko-Bäckerei, ein Ziegenhof, der auch Hühner hält und inzwischen ebenfalls Gemüse anbaut, ein Milchviehbetrieb. Sie stellen die Erzeugerseite der Solidargemeinschaft. Einen festgelegten Teil ihres Ertrages – im Fall des Wurzelhofes sind es 15 Prozent – geben sie an die Gemeinschaft weiter. Dafür bekommen sie einen ebenfalls festgelegten Kostenbeitrag von der Abnehmerseite. „Dieser Kostenbeitrag bedeutet aber keinen Einkauf im eigentlichen Sinne“, ist Pansegrau wichtig zu betonen: „Er stellt eine Beteiligung an den Kosten der Produktion dar.“ Wenn viel produziert oder geerntet werden kann, bekommen die Solawisten einen größeren Ernteanteil, falls die Ernte mal nicht so gut ausfällt, ist der Ernteanteil kleiner. „Wir Erzeuger bekommen so mehr Planungssicherheit“, so der Bioland-Bauer.

Und was haben die Abnehmer davon? Nele Markwardt (27) studiert Ernährungswissenschaften in Kiel und ist Solawistin der ersten Stunde. „Ich weiß wieder, wo meine Lebensmittel herkommen.“ Kürzlich war sie bei Dieter Pansegrau auf dem Hof, hat Spinat geerntet. „Der schoss ins Kraut, deshalb konnte ich mir den nehmen.“ Ohne zu bezahlen? „Ja, der war Teil meines Ernteanteils.“

Der Wurzelhof hätte den Spinat sonst wahrscheinlich als Gründünger eingesetzt.

Und warum hat sie sich nun dieser bodenständigen, dem Klischee von studentischem Partyleben und unregelmäßigen Essenszeiten sowie -gewohnheiten zuwiderlaufenden Gemeinschaft angeschlossen? „Wir alle müssen uns ein kleines bisschen ändern, damit die Welt wieder besser wird.“ Sie wünscht sich in Zukunft eine noch größere Solidarität unter den Solawisten. „Warum sollen Kleinverdiener dasselbe Geld für einen Ernteanteil geben, wie Menschen, die viel mehr verdienen?“ Andere Solawis haben deshalb Bieterrunden eingeführt, in denen jeder verdeckt angibt, wieviel er im kommenden Jahr bezahlen kann. Diese Runden werden solange durchgeführt, bis die Kosten der Ernteanteile gedeckt sind. Nele Markwardt sich ist sicher: „Das kommt auch bei uns noch.“ Sie macht auf jeden Fall weiter.

In Deutschland gibt es inzwischen rund 100 solcher solidarischen Landwirtschaftsgemeinschaften, das Konzept stammt ursprünglich aus Japan. In Frankreich soll es rund 1000 dieser Gemeinschaften geben.

Jedes Jahr zu Beginn des Landwirtschaftlichen Wirtschaftsjahres am 1. Juli werden die Karten der Solawisten neu gemischt: Neue Mitglieder können aufgenommen, neue Kostenbeiträge übernommen werden. So auch in der Kiel/Schinkeler-Initiative: Sie laden für Dienstag, 24. Mai, 19 Uhr zur Informationsveranstaltung in die Pumpe, Haßstrasse 22, Kiel.

Wer dann mitmachen möchte, muss sich schnell entscheiden. Am 27. Mai werden die neuen Anteile gezeichnet.

Weitere Informationen unter www.schinkeler-hoefe.de

Erschienen im Kieler Express am 22. Mai 2016

Wir bestimmen, in was für einer Welt wir leben.

Dieter Pansegrau

Landwirt, Wurzelhof Schinkel

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