Richard Hoene und der Spargel

Altenholz. Spargel braucht leichten, sandigen und gut erwärmbaren Boden, lehmig und steinig geht nicht. Soweit die Theorie. Spargelbauer Richard Hoene (56) aus Altenholz pflanzt auf fünf Hektar in der Nähe Neuwittenbeks Spargel unter der Plane an. In der Gemarkung Steenrott.

„Als ich vor gut zwanzig Jahren begonnen habe, Spargel zu pflanzen, erklärten mich die Kollegen hier im Norden für verrückt.“ Ob er Geld verbrennen wolle? „Meine Antwort war dann immer: Ja – und im kommenden Jahr baue ich Ananas an.“ Das hat der lebendig wirkende Altunternehmer, wie er sich gern selbst nennt, nicht getan. Vielmehr die Spargelproduktion zu einem wichtigen Standbein seines Betriebes gemacht.

 Das Gut Friedrichshof, Hoenes elterlicher Betrieb, gehört zusammen mit Gut Knoop zur Knoop und Friedrichshof GbR, gemeinsam werden rund 600 Hektar bewirtschaftet. Ein Großbetrieb.

Die Spargelproduktion mutet dagegen fast zart an. Und doch: „In diesem Jahr werden wir gut 17 Tonnen Spargel ernten.“ Und zu einem Gutteil direkt vom Hof an die Endverbraucher verkaufen. Die anderen Chargen gehen an einige wenige Restaurants und Kantinen in der Gegend. „Das Klinkenputzen lohnt sich für mich nicht“, ist sich der Mann der neuen Ideen sicher, „vor ein paar Jahren habe ich das nochmal probiert, aber die Ausbeute war gering.“ Also lieber weiter direkt an den Endverbraucher. Der zahlt gut – und gern.

Und in diesem Jahr wohl auch den höchsten Spargelpreis seit zehn Jahren. Michael Koch, Marktexperte bei der Bonner Agrarmarkt Informations-Gesellschaft, vergleicht: „Im Schnitt kostete das Kilo Spargel den Endverbraucher in den vergangenen zehn Jahren 5,70 Euro – Ende April dieses Jahres waren es im Schnitt 8,30 Euro, Anfang Mai standen 8,18 Euro pro Kilo in den Statistiken.“ In 2015 lag der bundesdeutsche Durchschnittspreis bei 6,70 Euro pro Kilogramm weißer Spargel, so der Mitarbeiter des Bonner Marktforschungsinstituts weiter. Als Grund für die gestiegenen Preise gelten höhere Lohnkosten und eine gleichbleibend hohe Nachfrage nach dem „königlichen Gemüse“ bei teilweise kleinen Erntemengen: „Das Wetter war zu Saisonbeginn nicht sehr spargelfreundlich.“

Teuer oder nicht, der Schleswig-Holsteiner mag seinen Spargel. Im Schnitt hat er im vergangenen Jahr pro Person rund 1,3 Kilogramm der weißen Stängel verzehrt, Tendenz: steigend.

Das merken auch Richard Hoene und sein Team. „In der Saison ist bei uns an sieben Tagen der Woche richtig viel zu tun.“ Der Spargel werde morgens von sieben polnischen, auf dem Hof wohnenden Erntehelfern gestochen und danach direkt geschält. „Zwischen 90 und 95 Prozent des Spargels wird bei uns geschält verkauft.“ Zuständig für das Schälen: eine rund 25000 Euro teure Maschine, die im Mai des vergangenen Jahres die erste Million geschälter Spargelstangen vollendete. „Nun arbeitet sie an der zweiten.“

Und Richard Hoene an seiner neuesten Idee. „Unsere Spargelpizza gibt es schon seit einigen Jahren“, und auch tiefgekühlt zum Mitnehmen sei die mit Hollandaise-Creme-fraiche-Sauce, Spargel und wahlweise Schinken, Lachs oder verschiedenen anderen Gemüsen belegte Hefeteig-Spezialität nichts Neues mehr.

Doch: „In der neugestalteten Küche, in der wir die Pizza belegen, möchte ich Kochkurse veranstalten.“ Einfach mal mit Freunden in einer tollen Umgebung kochen, so stellt sich Richard Hoene das vor. Und wahrscheinlich wird auch das ein voller Erfolg. Wie der Spargel. Obschon – Steenrott? „Ja, das stimmt, da sind viele Steine – wir sammeln sie regelmäßig ab“ und der Boden werde mit organischem Dünger aufgelockert.Dann klappt’s auch mit dem Spargel.

Und wer weiß, vielleicht gibt es demnächst auch Ananas, made in Altenholz.

Erschienen am 25. Mai 2016 im Kieler Express