Kiel. Aus Film und Fernsehen sind sie noch bekannt, die Karteikartenwände des DRK-Suchdienstes aus der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals gingen innerhalb von fünf Jahren 14 Millionen Anfragen bei den Suchdienstmitarbeitern ein. Doch den Suchdienst gibt es noch heute und er ist gefragter denn je. Eines seiner Hauptanliegen: Familienzusammenführung

Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes

Gemeinschaftsunterkunft Schusterkrug in Kiel-Friedrichsort auf dem ehemaligen MFG 5-Gelände, Donnerstagnachmittag im Erdgeschoss des Hauptgebäudes. Auf dem Flur Holzbänke, Plakate in Deutsch und anderen Sprachen. Einige dieser Plakate mit einem roten Kreuz in der Ecke, vielen Passfotos, unter den Gesichtern nur kurze Sätze und eine Kennziffer. „I am looking for my …“ und dann vielleicht „brother„, „husband“ oder schlicht „family„. Hinter diesen Fotos stecken lange Geschichten von Not, Flucht und Trennung. „Viele der dort in unserem Programm ‚Trace the Face‘ gemeldeten Menschen wurde während der Flucht von ihren Angehörigen getrennt“, sagt Anna Diekmann, Mitarbeiterin bei der DRK-Suchdienststelle Kiel, „die Plakate werden international ausgestellt.“ Komplettiert wird das Projekt mit einer Internetseite, auf der die Gesichter der Suchenden eingestellt sind. Über die Identifikationsnummer können Menschen, die jemanden auf den Bildern erkannt haben, sich beim Suchdienst melden. Der gibt die Information dann weiter – letztlich entscheidet dann aber der beim Programm angemeldete, was mit der Kontaktanfrage passiert, betont Anna Diekmann.

Kiel. Aus Film und Fernsehen sind sie noch bekannt, die Karteikartenwände des DRK-Suchdienstes aus der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals gingen innerhalb von fünf Jahren 14 Millionen Anfragen bei den Suchdienstmitarbeitern ein. Doch den Suchdienst gibt es noch heute und er ist gefragter denn je. Eines seiner Hauptanliegen: Familienzusammenführung

Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes

Gemeinschaftsunterkunft Schusterkrug in Kiel-Friedrichsort auf dem ehemaligen MFG 5-Gelände, Donnerstagnachmittag im Erdgeschoss des Hauptgebäudes. Auf dem Flur Holzbänke, Plakate in Deutsch und anderen Sprachen. Einige dieser Plakate mit einem roten Kreuz in der Ecke, vielen Passfotos, unter den Gesichtern nur kurze Sätze und eine Kennziffer. „I am looking for my …“ und dann vielleicht „brother„, „husband“ oder schlicht „family„. Hinter diesen Fotos stecken lange Geschichten von Not, Flucht und Trennung. „Viele der dort in unserem Programm ‚Trace the Face‘ gemeldeten Menschen wurde während der Flucht von ihren Angehörigen getrennt“, sagt Anna Diekmann, Mitarbeiterin bei der DRK-Suchdienststelle Kiel, „die Plakate werden international ausgestellt.“ Komplettiert wird das Projekt mit einer Internetseite, auf der die Gesichter der Suchenden eingestellt sind. Über die Identifikationsnummer können Menschen, die jemanden auf den Bildern erkannt haben, sich beim Suchdienst melden. Der gibt die Information dann weiter – letztlich entscheidet dann aber der beim Programm angemeldete, was mit der Kontaktanfrage passiert, betont Anna Diekmann.
Vor der Bürotür des Suchdienstes im Schusterkrug sitzen zumeist Männer, arabische Wortfetzen liegen in der Luft, lebhaft geht es mit der für europäisch trainierte Ohren ungewohnten Satzmelodie zu. Diese Männer wollen ein anderes Angebot des Suchdienstes nutzen: die Unterstützung bei der Familienzusammenführung.

Das Kieler DRK-Suchdienst-Team

Dolmetscher Abdellah El-Aidi, DRK-Verfahrensberaterin Katarzyna Wituszynski und Anna Diekmann, Mitarbeiterin bei der Kieler DRK-Suchdienststelle. Rechts im Bild: Bilal Abadi, der für die AWO die Gemeinschaftsunterkunft leitet.

„Es ist alles andere als einfach, die eigene Familie nach Deutschland nachzuholen“, sagt Katarzyna Wituszynski, die als Verfahrensberaterin beim DRK arbeitet. „So viele verschiedene Gesetze und Vorschriften sind zu befolgen, Fristen einzuhalten, hohe Sprachbarrieren zu meistern.“ So gebe es zum Beispiel eine Frist von drei Monaten nach Anerkennung des Flüchtlingsstatusses, die extrem wichtig sei. „Nur, wer innerhalb dieser Frist einen Antrag stellt, hat de facto die Chance, seine Familie nachzuholen“, so die DRK-Mitarbeiterin.
Für die, die die Frist verpassen, werden die Hürden nahezu himmelhoch. Sie müssen nachweisen, dass sie nicht von Sozialhilfe leben, für sich und ihre Familien einen geeigneten Wohnraum haben, ihre Krankenversicherung selbst bezahlen – und haben oft genug noch nicht einmal Arbeit.

Es klopft an der Tür des DRK-Büros in der Gemeinschaftsunterkunft. Abdellah El-Aidi, der Arabisch-Dolmetscher für das DRK, öffnet. El-Aidi, der gleichzeitig auch als Hausbetreuer im Schusterkrug arbeitet, führt Muhammad Hamdi (Name geändert) hinein. „Moin, moin“, begrüßt der Syrer Hamdi alle freundlich und wechselt prompt vom Norddeutschen ins Arabische. Fragt El-Aidi nach dem Stand der Dinge. Der übersetzt, Anna Diekmann antwortet: „Es tut mir leid, ich kann ihnen nichts Neues sagen.“

Es fehlen Unterlagen. Passkopien, Anträge auf Familienzusammenführung, auszufüllen auf Deutsch – unter anderem von der Ehefrau und den Kindern in der deutschen Botschaft in Beirut. Dazu brauchen sie einen Termin, den zu bekommen auch schon mal ein Jahr dauert. „Und wie gesagt, die Anträge müssen in Deutsch ausgefüllt werden.“ Das Problem von Muhammad Hamdi? Er hat seinen Antrag nicht innerhalb der Drei-Monats-Frist gestellt.
„Der damalige Dolmetscher habe falsch übersetzt und Herrn Hamdi nicht richtig informiert“, übersetzt Abdellah El-Aidi die Tirade des Syrers. Übersetzungsfehler oder nicht – aktuell gelten die verschärften Regeln für die Familienzusammenführung. Dabei gehören Hamdi und seine Familie im ausländerrechtlichen Sinne schon zu einer privilegierten Gruppe. Bei Menschen aus Syrien, dem Iran, dem Irak und aus Erithrea geht es üblicherweise schneller, Familienmitglieder ersten Grades nachzuholen. „Doch vorher muss die Anerkennung als Flüchtling vorliegen“, so Katarzyna Wituszynski. Und die dauere auch schon mal zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. „Danach“, so die DRK-Mitarbeiterin weiter, „danach können dann alle weiteren Schritte eingeleitet werden.“

Muhammad Hamdi ist seit gut eineinhalb Jahren auf der Flucht. Nur wenige Wochen, nachdem er mit seiner Familie in Syrien aufgebrochen ist, wurden sie in der Türkei getrennt.Seit Oktober vergangenen Jahres ist Hamdi in Deutschland, inzwischen auch als Flüchtling anerkannt. Seine Frau und Kinder sind mittlerweile wieder in Syrien, warten auf einen Termin in der deutschen Botschaft in Beirut.

Und darauf, dass ihr Mann und Vater einen Weg findet, die deutschen Behörden davon zu überzeugen, dass ein Übersetzungsfehler dazu geführt hat, dass er die Frist nicht einhielt. Die Drei-Monats-Frist, die faktisch darüber entscheidet, ob er seine Familie in naher Zukunft in Deutschland wiedersieht oder nicht. win

www.drk-suchdienst.de